06 November 2006

Die deutsche Sprache

Gutes Deutsch als Thema ist stark im Kommen, nicht nur bei Bastian Sicks. Claudius Seidl von FAS (hier der Artikel) kritisiert, nicht ganz zu Unrecht, die Auswüchse der übertriebenen Selbstbeweihräucherung der Besserwisser. Auch die Spiegel Titelgeschichte von vor zwei (?) Wochen ging unerträglich in diese Richtung. Nur keine Veränderungen in der Sprache, das Alte = Schöne = Richtige muss erhalten bleiben.

Wenn diese Vorgehensweise immer vorherrschen würde, gäbe es heute nur eine Sprache, wenn überhaupt, denn das Leben an sich hätte sich gar nicht entwickeln können, lebt es doch nur, wie eine Sprache durch Veränderung.

Und meine feste Überzeugung ist, die Sprache wird vom Volk gemacht, nicht allein von Journalisten oder Dudenschreibern. Letzte haben nur zu dokumentieren, erste zu kommentieren. Das übersieht auch Herr Seidl, der nur besser sein will als Sicks. Also nix Neues!

Damit mich keiner falsch versteht: auch ich liebe unsere Sprache und bemühe mich alte, verlorene Wörter zu erhalten. Ebenso versuche ich mich in "gutem" Deutsch auszudrücken. Das heißt aber nicht, dass ich in Chatss nicht auch flotte Abkürzungen und smileys einsetze. Eben alles zu seiner Zeit.

Aber welche Wörter überleben und welche neu in eine Sprache aufgenommen werden, entscheidet sich viel später und ist im Nachhinein zu registrieren. Gut ist es auch weiterhin ein Sprachgefühl zu vermitteln und den Spass am Spiel mit der Sprache. Daher sehe ich die aktuelle Entwicklung von blogs und chatts nicht negativ, denn auch hier tut man was gegen die Vereinsamung und das >stumm werden< der Sprache. Jeder, der so mit Sprache arbeitet entwickelt ein eigenes Sprachgefühl und versucht mit der Sprache sich und seine Gedanken auszudrücken. Das muss ja nicht die Art des Ausdrückens von Seidl und Sicks sein, aber es ist seine eigene Art. Und das ist doch schon was.

Nachtrag: ein zu mir passender Kommetar findet sich dem lesenswerten blog ib-Klartext.

1 Kommentar:

Daniel hat gesagt…

Deine Einstellung gefällt mir.
Außerdem ist es ja so, daß der Durchschnittsmensch noch nie soviel geschrieben und gelesen hat wie heutzutage, insofern muß man sich da keine großartigen Sorgen machen.
Da können sich gewisse Boulevardmedien noch so grauenhaft ausdrücken, der Mann von der Straße übernimmt zum Glück doch nicht alles so kritiklos, wie manche es gerne hätten ...

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